Als blinder Vater im Campingurlaub mit meiner Frau und unseren Kindern

Mir ist aufgefallen, dass ich diesen Entwurf damals in Korsika geschrieben habe, aber ihn nicht veröffentlicht habe, wahrscheinlich einfach vergessen. Deshalb geht er einfach jetzt online. Auch wenn das alles schon fast zwei Jahre zurückliegt, war für mich selber spannend, diesen Artikel jetzt noch mal zu lesen.

Als blinder Vater, zusammen mit meiner liebevollen Frau und unseren zwei bezaubernden Kindern, haben wir uns in meinen vorherigen Artikeln über unsere aufregende Reise nach Korsika begeben. Ihr konntet bereits einen Blick auf die Herausforderungen erhaschen, die Kathi und ich bei diesem Abenteuer angenommen haben. Glaubt mir, einen Campingurlaub im Wohnmobil mit einem 15 Monate alten und einem 4 Monate alten Kind zu unternehmen, ist eine wahrhaft spannende Mission, jedoch keineswegs leicht.

In diesem Artikel möchte ich insbesondere auf die außergewöhnlichen Herausforderungen eingehen, die sich für mich als blinder Vater während dieses Urlaubs ergeben haben. Seit mittlerweile zwei Wochen sind wir unterwegs, und ich plane, in naher Zukunft einen weiteren Artikel zu schreiben, um euch von unseren Fortschritten zu berichten.

Ihr könnt euch sicher vorstellen, welche erstaunlichen Fähigkeiten Kathi immer wieder unter Beweis stellen muss, da sie die einzige von uns beiden ist, die sehen kann. Ich stehe ihr zwar in vielen Bereichen bei, aber bei einigen Entscheidungen, insbesondere in Bezug auf die Fahrtroute, bin ich auf ihre Expertise angewiesen. Doch es gibt zahlreiche andere Situationen, in denen das Augenlicht von unschätzbarem Wert ist oder es einfach das Leben erheblich erleichtert.

Lasst uns zunächst über unsere Tochter Mara sprechen:
Sie ist 15 Monate alt, gerade dabei, ihre ersten Schritte zu wagen, und bereits erstaunlich flink, sowohl beim Laufen als auch beim Krabbeln.

Mara ist neugierig und möchte die Welt erkunden:
Mara geht gerne an unserer Hand, um die Umgebung zu erkunden. Dies stellt normalerweise kein Problem dar, solange wir uns in vertrauter Umgebung bewegen.

Allerdings möchte Mara manchmal auch dann laufen, wenn Kathi zum Beispiel im Waschhaus auf dem Campingplatz Geschirr spült. Hier beginnen meine Schwierigkeiten.

In einer unbekannten Umgebung kann ich nicht mit Mara spazieren gehen, da ich nicht sicher sein kann, ob es Stufen gibt, die mir unbekannt sind, ob Menschen im Weg stehen oder Hindernisse herumliegen. Ein Blindenstock in einer Hand, um vorsichtig vor mir zu tasten, und in der anderen Hand ein Kind, das ständig die Richtung ändern möchte, weil es 2 Meter vor uns einen kleinen Kieselstein entdeckt hat, den es unbedingt aufheben muss, ist eine wahre Herausforderung.

Mara einfach krabbeln zu lassen, gestaltet sich schwierig, wenn Kathi nicht in meiner Nähe ist, da ich sie oft nicht hören kann. Spätestens, wenn ein Auto in der Nähe ist, wird das Chaos perfekt, wenn ich nicht weiß, wo sich mein Kind befindet.

Die genaue Lokalisierung von Mara ist tatsächlich eine meiner größten Herausforderungen beim Camping mit ihr.

Auch im Restaurant muss Kathi Mara immer im Auge behalten, wenn sie krabbelt. Wenn ich hinterhergehen würde, würde die Anordnung der Tische wahrscheinlich völlig durcheinandergeraten, und einige Gäste würden wahrscheinlich nicht mehr auf ihren Stühlen sitzen.

Eine mögliche Lösung wäre eine Leine oder eine Glocke, aber ich zögere noch etwas davor und hoffe, dass Mara mir bald selbst sagen kann, wo sie sich befindet.

Sie hat nun auch das Spiel „Fang mich doch“ für sich entdeckt, was den Spaß nicht unbedingt einfacher macht.

Am Strand muss Kathi ebenfalls immer ein Auge auf Mara haben, da ich ihr dort überhaupt nicht behilflich sein kann. Der Sand dämpft ihre Bewegungen so gut, dass ich sie nicht hören kann.

Im Meer hingegen ist es kein Problem. Mara sitzt in ihrem Schwimmring, den ich festhalte, und der Ring ist mit einem Seil an mir befestigt.

Das klingt vielleicht nach vielen großen Problemen, aber das liegt wohl daran, dass ich alles auf einmal zusammengefasst habe.

Zusammengefasst ist das aktuelle Problem die Mobilität von Mara, ihre unermüdliche Neugier und meine eingeschränkte Fähigkeit, genau zu wissen, wo sie sich befindet.

Unsere jüngste Tochter Lynn ist noch so klein, dass es bisher keine Probleme gibt, die auf meine Blindheit zurückzuführen wären.

Wie gesagt, es sind nun schon zwei Wochen vergangen, und ich bin sicher, dass noch weitere Herausforderungen auf uns zukommen werden, insbesondere da Mara heute, am 15.09.2023, damit begonnen hat, komplett alleine zu laufen.

Wir freuen uns auf eine aufregende weitere Zeit, in der wir gemeinsam als Familie wachsen und lernen werden.

Bilder unserer Reise findet ihr auf Insta unter:
https://www.instagram.com/badenwomo/