Carl lernt reden – blindes Vertrauen ist gut, Batteriestand abfragen ist besser

Der orangefarbene Kastenwagen Carl steht mit geöffneter Schiebetür und ausgefahrener Trittstufe auf einem Stellplatz vor goldgelben Laubbäumen.

Wer hier schon länger mitliest, kennt unseren Carl. Unseren Kastenwagen, mit dem wir inzwischen einiges erlebt haben. Korsika, Spanien, zwei Kinder, Hunde und zwischendurch ein kaputtes Bett.

Langweilig … kennen wir nicht. 🙂

Heute geht es allerdings mal nicht darum, wohin Kathi uns gefahren hat, sondern darum, was ich mit unserem Carl anstelle, wenn er zu Hause steht.

Ich hatte euch ja schon in einem meiner ersten Beiträge versprochen, etwas über meine Umbauten zu erzählen. Das war 2021.

Gut Ding will Weile haben. Bei mir offensichtlich etwas mehr.

Aber jetzt.

Eigentlich möchte ich nur wissen, wie voll die Batterie ist, was die Solaranlage liefert und ob das Gas noch reicht. Die Heizung selbst vernünftig bedienen können wäre ebenfalls schön.

Dafür gibt es im Wohnmobil Anzeigen und Displays. Draufschauen, ablesen, fertig.

Blöd nur, wenn man blind ist.

Ich kann mich natürlich trotzdem davorstellen. Interessiert aussehen, nachdenklich nicken. Den Batteriestand weiß ich hinterher zwar immer noch nicht, aber es würde zumindest kompetent wirken.

Jetzt könnte ich jedes Mal Kathi fragen. Könnte ich. Aber wir haben zwei Kinder, die fragen schon genug, da muss ich mich nicht auch noch einreihen.

Und überhaupt, ich will das selber können.

Also bekommt Carl jetzt beigebracht, mir seine Informationen so zu geben, dass ich auch etwas damit anfangen kann. Auf meinem iPhone, mit der Sprachausgabe, die ich ohnehin jeden Tag benutze.

Ein bisschen Technik einbauen, einrichten, läuft.

So der Plan.

Carl hatte offensichtlich einen anderen. 🙂

Die Grundlage für das Ganze heißt Home Assistant. Für diejenigen unter euch, die damit noch nichts zu tun hatten: Das ist eine Software, die Informationen von unterschiedlichen Geräten zusammenbringen und eingebundene Geräte auch steuern kann.

Bei mir läuft sie auf einem Raspberry Pi, einem kleinen Computer im Wohnmobil. Darüber kann ich die Informationen auf meinem Handy abrufen und mir mit VoiceOver vorlesen lassen.

Das klingt jetzt vielleicht erst mal nach viel Technik. Ist es stellenweise auch. Aber am Ende möchte ich einfach mein Handy nehmen und selbst nachschauen können, was Sache ist.

Ja, nachschauen. Das heißt bei mir auch so. Ich gehe schließlich ebenfalls etwas essen und nicht zur kontrollierten Nahrungsmittelzufuhr. 🙂

Ein großes Thema ist der Strom.

Im Wohnmobil möchte ich wissen, was in die Batterie hineingeht und was wieder herauskommt. Dafür habe ich einen Victron SmartShunt eingebunden. Der misst den Stromfluss und liefert mir die Informationen, mit denen ich den Verbrauch und das Laden verfolgen kann.

Die Solaranlage hat inzwischen ebenfalls eine eigene Messung bekommen. Wenn schon ein Panel auf dem Dach liegt, möchte ich auch wissen, ob es arbeitet oder sich nur die Sonne auf den Pelz scheinen lässt.

Natürlich tauchen dabei jede Menge Zahlen auf. Spannung, Strom, Leistung, Batteriestand.

Damit kann ich mich durchaus beschäftigen. Mache ich ja auch. Aber für den schnellen Überblick hätte ich gerne eine verständliche Anzeige. Wenn ich wissen möchte, wie voll die Batterie ist, will ich dafür nicht erst drei Untermenüs besuchen und einen Taschenrechner streicheln.

Beim Gas geht es ähnlich weiter.

Den Truma LevelControl habe ich direkt in Home Assistant eingebunden. Damit bekomme ich den Füllstand und die berechnete Gasmenge ebenfalls in meine Übersicht.

So ein Wert ist natürlich nur dann hilfreich, wenn er auch etwas mit dem Inhalt der Flasche zu tun hat. Eine optimistische Zahl allein macht weder die Heizung warm noch den Kaffee fertig.

Deshalb habe ich die Anzeige mit der offiziellen Truma-App verglichen. Am bisher geprüften Füllstand passte das zusammen. Wie gut es bei einer leereren Flasche aussieht, wird sich noch zeigen.

Blindes Vertrauen wäre zwar irgendwie passend, aber ich messe dann doch lieber nach.

Eine eigene Baustelle ist die Bedienoberfläche. Dort sollen die Informationen übersichtlich zusammenkommen. Für mich mit Sprachausgabe, für Kathi auch gerne hübsch.

Ich bin ja großzügig.

Dabei merkt man erst beim Benutzen, was alles schiefgehen kann. Ein Symbol sieht vielleicht ganz toll aus. Wenn mir mein Handy dazu allerdings nur „Zapfsäule“ vorliest, ist der Erkenntnisgewinn überschaubar.

Welche Tankstelle? Wie weit weg? Was macht dieser Knopf?

Zapfsäule.

Danke für das Gespräch.

Also muss ich mich auch darum kümmern, dass Knöpfe vernünftig beschriftet sind und Meldungen verständlich vorgelesen werden. Möglichst einmal. Ich bin blind, nicht vergesslich. Zumindest möchte ich die beiden Dinge gerne getrennt behandeln. 🙂

Und dann wäre da noch die Heizung.

Raumheizung, Warmwasser, Gebläse. Das möchte ich ebenfalls vernünftig einbinden und bedienen können. Daran arbeite ich noch.

Dass dabei nicht jedes Problem in der Software steckt, durfte ich auch schon feststellen. Zwei Kabel waren zwar angeschlossen, hatten aber keinen Kontakt.

Kann man lange nach Einstellungen suchen.

Die Kabel sahen vermutlich beschäftigt aus. Elektrisch war eher Urlaub.

Dazu diese winzigen Schraubklemmen auf dem Board, in die man die Adern irgendwie hineinbekommen soll. Wer sich das ausgedacht hat, darf gerne mal vorbeikommen und mir zeigen, wie entspannt das funktioniert.

Beim Gedanken an denjenigen kann man die Genfer Konventionen schon mal kurz vergessen.

Keine Sorge, er muss nur seine eigenen Klemmen verkabeln. Das dürfte als Strafe reichen.

Ich kümmere mich währenddessen um den Kaffee. Arbeitsteilung kann ich.

Aber genau solche Geschichten gehören dazu. Ich baue etwas um, probiere es aus, suche Fehler und freue mich, wenn am Ende tatsächlich das passiert, was ich haben wollte.

Manchmal fluche ich vorher noch ein bisschen.

Oder länger.

Unsere Kinder haben bei dem Umbau übrigens auch schon einiges gelernt. Ob sie inzwischen wissen, was ein SmartShunt macht? Eher fraglich.

„Fuck“, „verdammte Scheiße“ und „ach, leck mich doch“ gehören leider mittlerweile zum Vokabular.

Gut, pädagogisch war das jetzt nicht ganz das, was ich vermitteln wollte.

Andere Kinder lernen Tiergeräusche. Meine lernen, dass Papa gerade ein Kabel anschließt.

Vorbild sein … kann ich. Über die Richtung müssen wir noch reden. 🙂

Und wenn dann endlich vernünftige Werte ankommen oder sich etwas bedienen lässt, das für mich vorher nicht zugänglich war, möchte ich natürlich wissen, was als Nächstes geht.

Offensichtlich kann ich auch ohne Augen die nächste Baustelle finden.

Wie und ob das alles funktioniert, zeige ich euch in einzelnen Artikeln. Batterie, Solar, Gas, Heizung und die Frage, wie ich das Ganze blind bediene. Natürlich auch, was schiefgeht. Soll ja keiner behaupten, hier läuft alles nach Plan.

Besonders viele Fotos wird es in meinen Artikeln allerdings nicht geben. Das liegt ganz einfach daran, dass ich selbst nicht sehe, ob die Bilder etwas geworden sind. Ob das Kabel scharf ist, die Klemme überhaupt im Bild oder doch nur mein Daumen – für mich sehen die alle gleich aus.

Aber das macht nichts. Ihr sollt schließlich nicht nur die Augen, sondern auch das Gehirn benutzen.

Ein bisschen Kopfkino bekommt ihr hin. Bei mir läuft das den ganzen Tag. 🙂

Vielleicht könnt ihr etwas davon für euer eigenes Wohnmobil gebrauchen. Und wenn nicht, habt ihr wenigstens etwas zu lesen, während ich versuche, ein Kabel in eine zu kleine Klemme zu bekommen.

Wird es der Highway to Hell oder wird es einfach gut?

Wir werden sehen. Also ihr. Ich lass es mir vorlesen. 🙂