Im letzten Artikel habe ich euch erzählt, dass ich Carl langsam beibringe, mit mir zu reden.
Eigentlich muss ich das ein bisschen anders erzählen.
Ich bin nicht irgendwann morgens aufgewacht und habe mir gedacht: So, jetzt brauche ich unbedingt ein Smart Home im Wohnmobil.
Der Grund war viel einfacher.
Ich wollte endlich selbst wissen können, was in unserem Carl passiert.
Für einen Sehenden ist das ziemlich unspektakulär. Man schaut auf das Bedienpanel, liest den Batteriestand ab, schaut, ob etwas lädt, und fertig.
Bei mir funktioniert dieses „mal eben nachschauen“ nicht.
Ich konnte natürlich Kathi oder jemand anderen fragen, was auf dem Panel angezeigt wird. Das funktioniert auch, aber genau darum geht es mir ja: Ich möchte solche Dinge selbst wissen können, ohne jedes Mal sehende Hilfe zu brauchen.
Und gerade die Batterie hat mir irgendwann ziemlich deutlich gezeigt, warum mir das wichtig ist.
An einem Abend hatte ich noch nach dem originalen Bedienpanel schauen lassen.
Aufbaubatterien ungefähr sieben von acht Balken.
Starterbatterie ebenfalls ungefähr sieben von acht Balken.
Alles gut also.
Zumindest dachte ich das.
Am nächsten Morgen wollte ich Carl starten.
Zündung an, starten und … nichts.
Die Starterbatterie war leer.
Naja, nicht einfach nur ein bisschen schwach. Sie war so weit unten, dass der Jumper nicht mehr ansprang.
Ein paar Stunden später kam die Sonne heraus. Unsere Solaranlage lädt auch die Starterbatterie etwas mit und irgendwann reichte es wieder zum Starten.
Schön.
Aber warum war die Starterbatterie überhaupt leer?
Zu diesem Zeitpunkt hatte ich bereits einen Victron SmartShunt eingebaut. Der misst den Strom, der in die Aufbaubatterien hinein und wieder herausgeht, und erfasst zusätzlich die Spannung der Starterbatterie.
Also mal in die Historie geschaut.
Niedrigste gespeicherte Spannung der Starterbatterie: 6 Volt.
Tiefste Entladung: minus 96,46 Ah.
Sechs Volt.
Bei einer 12-Volt-Starterbatterie kann man das, glaube ich, recht einfach übersetzen:
Der ging es richtig beschissen.

Natürlich war eine der ersten Überlegungen, dass vielleicht einfach die Starterbatterie am Ende ist. Baujahr 2020, also auch nicht mehr ganz neu.
Allerdings passte das nicht so richtig zu dem, was ich beobachtet hatte.
Wenn nachts nur Router und Raspberry Pi liefen, lag der Verbrauch ungefähr bei zwei Ampere und am nächsten Morgen sah alles völlig normal aus.
Wenn aber ein größerer Verbraucher lief und die Aufbaubatterien deutlich leerer wurden, ging teilweise auch die Starterbatterie mit runter.
Das sollte eigentlich nicht passieren, denn Starter- und Aufbaubatterien sind im Stand voneinander getrennt.
Also fing die Suche an.
Im Juli stellte ich die ganze Geschichte auch ins Pösslforum:
Pösslforum: „Aufbau Batterien ziehen Starterbatterie leer“
Da kamen natürlich einige Möglichkeiten zusammen.
Ladebooster, Solarregler, Trennrelais, die CBE DS300 oder eben doch die Starterbatterie.
Zwischendurch hatte ich die Möglichkeit, die Batterien mit dem Testgerät eines befreundeten Werkstattmeisters zu prüfen.
Die Starterbatterie war laut Test noch sehr gut.
Die beiden Aufbaubatterien dagegen waren defekt.
Na super.
Damit wusste ich zumindest, dass zwei neue Aufbaubatterien fällig waren.
Nur erklärte das immer noch nicht, warum die Starterbatterie mit leergezogen wurde.
Also habe ich die beiden Aufbaubatterien komplett ausgebaut.
Solar-Sicherung raus.
Kein Landstrom angeschlossen.
Damit hätte im Aufbau eigentlich nicht mehr besonders viel passieren dürfen.
Ich schalte das Licht ein.
Licht geht.
Wasserpumpe geht.
Kühlschrank bekommt ebenfalls Strom.
What the fuck?
Keine Aufbaubatterien eingebaut, Solar getrennt, kein Landstrom und trotzdem läuft die 12-Volt-Versorgung weiter.
Also Multimeter geholt und an den losen Batterieklemmen gemessen.
12,81 Volt.
Dann direkt an der Starterbatterie gemessen.
12,81 Volt.
Okay.
Spätestens da war ziemlich klar, woher der Strom kam.
Irgendwo gab es eine Verbindung zwischen Starterbatterie und Aufbau, die dort im Stand definitiv nicht hingehörte.
Im Forum bekam ich den Tipp, die große einzelne Sicherung an der Starterbatterie zu ziehen und anschließend noch einmal an den Batterieklemmen zu messen.
Also Sicherung raus.
Noch einmal gemessen.
8,7 Millivolt.
Am Tag davor beziehungsweise mit eingesetzter Sicherung waren es dort 12,81 Volt.
Damit war zumindest bewiesen, dass die Spannung wirklich von der Starterbatterie kam.
Warum, wusste ich trotzdem noch nicht.
Also ging die Suche weiter.
Ladebooster?
DS300?
Trennrelais?
Irgendeine falsche Ansteuerung?
Ich stellte Bilder von der geöffneten Elektrik ins Forum und es wurde fleißig gesucht und diskutiert.

Und dann kommt der Teil, bei dem ich heute noch sagen muss:
Manchmal hilft es, wenn jemand einfach richtig auf ein Foto schaut.
Ein Nutzer im Forum bemerkte an einem meiner Bilder den roten Schrumpfschlauch an einem Kabel und fragte, ob der vielleicht durchgescheuert sei.
Andere schauten ebenfalls genauer hin und plötzlich standen B1 und B2 im Mittelpunkt.
B1 ist an der DS300 der Anschluss für die Starterbatterie.
B2 ist der Aufbau.
Die beiden Anschlüsse liegen direkt nebeneinander.
Und genau dort verlief ein zusätzliches Kabel.

Also wieder raus zu Carl und nachschauen.
Der Hinweis war richtig.
Das Kabel gehörte zum nachgerüsteten MaxxFan.
Der rote Schrumpfschlauch beziehungsweise die Isolierung war durchgescheuert und der unisolierte Kabelschuh konnte den danebenliegenden Anschluss B1 berühren.
Das MaxxFan-Kabel hing am B2-Zweig.
Damit waren B1 und B2 über diesen Kontakt miteinander verbunden.
Starterbatterie und Aufbaubatterie hatten also eine Verbindung, die dort überhaupt nicht vorgesehen war.

Wichtig dabei:
Die DS300 war nicht kaputt und Carl hatte auch keinen geheimnisvollen Fehler in seiner originalen Elektrik.
Die Ursache lag an einer nachgerüsteten Leitung zum MaxxFan, deren Isolierung an dieser Stelle beschädigt war.
Kleine Ursache, große Wirkung.
Ich habe das Kabel so gelegt und isoliert, dass der Kabelschuh B1 nicht mehr berühren konnte.
Dann noch einmal der gleiche Test.
Aufbaubatterien weiterhin ausgebaut.
Große Sicherung an der Starterbatterie wieder rein.
Multimeter an die Batterieklemmen.
Keine Starterbatteriespannung mehr.
Damit war der Fehler gefunden und auch gleich bewiesen, dass die beiden Batteriekreise wieder sauber voneinander getrennt waren.
Und damit kommen wir wieder zu dem Punkt vom Anfang.
Sieben von acht Balken auf dem originalen Panel klangen am Abend erst einmal hervorragend.
Nur sagt eine Spannungsanzeige eben nicht automatisch, wie viel nutzbare Kapazität wirklich noch in einer Batterie steckt. Vor allem dann nicht, wenn zwei Aufbaubatterien bereits defekt sind und zusätzlich zwei eigentlich getrennte Batteriekreise miteinander verbunden wurden.
Genau solche Geschichten sind der Grund, warum ich heute nicht einfach nur wissen möchte, ob irgendeine Lampe am Panel grün leuchtet.
Ich möchte wissen, welche Spannung anliegt, wie viel Strom gerade fließt, was geladen wird und was verbraucht wird.
Und vor allem möchte ich das selbst wissen können.
Ohne jedes Mal jemanden fragen zu müssen, was irgendein Display gerade anzeigt.
Genau deshalb wird Carl inzwischen Stück für Stück intelligenter und fängt langsam tatsächlich an, mit mir zu reden.
Aber zurück zu damals.
Der Fehler an der Leitung war behoben.
Die Starterbatterie war laut Test in Ordnung.
Eigentlich hätte ich mich jetzt zurücklehnen können.
Eigentlich.
Denn da waren ja noch die beiden Aufbaubatterien.
Die waren nachweislich defekt und mussten ersetzt werden.
Also fing ich an zu schauen, was ich als Ersatz einbauen könnte.
Wieder AGM beziehungsweise Gel?
Oder vielleicht doch Lithium?
Nur mal schauen.
Ganz unverbindlich.
Was soll da schon passieren?
Naja.
Aus diesem „nur mal schauen“ wurde später deutlich mehr als nur ein Batterietausch.
Aber das ist die nächste Geschichte.
Fortsetzung folgt.