Eigentlich hätte ich jetzt zufrieden sein können.
Eigentlich.
Carl hatte endlich seine neue Lithiumbatterie bekommen.
180 Ah.
Bluetooth.
Ein eigenes BMS.
Der SmartShunt war eingebaut.
Home Assistant wusste Bescheid.
Und ich hatte jetzt sogar zwei Geräte, die mir sagen konnten, wie voll meine Batterie ist.
Den SmartShunt.
Und das BMS der Batterie.
Eine Batterie.
Zwei Anzeigen.
Was soll da schon schiefgehen?
Der SmartShunt sagte:
Voll.
Das BMS sagte:
Leer.
Geil.
Genau das, was man braucht.
Eine Batterie für mehrere hundert Euro und zwei Geräte, die sich nicht einmal darauf einigen können, ob überhaupt noch Strom drin ist.
Läuft.

Zwei Geräte, drei Meinungen
Das fand ich zunächst trotzdem noch nicht dramatisch.
Die Batterie war neu.
Der SmartShunt war frisch auf 180 Ah eingestellt.
Das BMS hatte offenbar seine eigene Vorstellung davon, was „voll“ und „leer“ bedeutet.
Also dachte ich:
Die beiden müssen sich wahrscheinlich erst einmal kennenlernen.
So ähnlich wie zwei Menschen, die sich zum ersten Mal treffen und schon nach fünf Minuten merken, dass sie völlig unterschiedliche Ansichten haben.
Nur dass Menschen sich normalerweise nicht darüber streiten, ob sie zu 100 Prozent oder zu 0 Prozent voll sind.
Wobei …
ihr kennt mich.
Bei 100 Prozent voll bin ich am Start.
Aber das ist eine andere Geschichte.
Also erst einmal ruhig bleiben.
Nicht gleich alles wieder auseinanderreißen.
Nicht gleich Support anschreiben.
Nicht gleich anfangen, irgendeinen armen Mitarbeiter mit Screenshots zu bombardieren.
Einfach beobachten.
Und tatsächlich:
Beim Strom waren sich beide ziemlich einig.
Wenn etwas aus der Batterie rausging, sahen das beide.
Wenn geladen wurde, sahen das beide.
Auch die Spannung passte.
Nur bei der eigentlich simplen Frage
„Wie viel ist denn jetzt noch drin?“
war plötzlich jeder seiner eigenen Meinung.
Na gut.
Dann laden wir das Ding eben einmal richtig voll.
Danach wird schon Ruhe sein.
Dachte ich.
Natürlich dachte ich das.
Ich bin ja lernfähig.
Nur offenbar nicht besonders schnell.
Und plötzlich sagt das BMS: Feierabend
Das Ladegerät machte seinen Job.
Die Batterie wurde voller.
Alles sah gut aus.
Bis das BMS plötzlich sagte:
Nö.
Und das Laden abschaltete.
Einfach so.
Keine Rauchwolke.
Kein Knall.
Kein dramatisches Zischen.
Nicht mal ein kleines „Puff“.
Eigentlich schade.
Für die Geschichte wäre das deutlich spektakulärer gewesen.
Stattdessen saß ich da und durfte mir anschauen, wie eine nagelneue Batterie einfach beschloss:
So, Chef. Das war’s jetzt.
Feierabend.
Also genauer hingeschaut.
Und da wurde es interessant.
Die einzelnen Zellen in der Batterie liefen beim Laden auseinander.
Nicht ein bisschen im Sinne von:
Ach, das wird sich schon wieder geben.
Sondern so, dass das BMS irgendwann die Reißleine zog und die Ladung abschaltete.
Spätestens da wurde aus meinem
„Die müssen sich halt erst kennenlernen“
ein
„Ach komm, scheiß doch drauf.“
Aber gut.
Einmal ist keinmal.
Vielleicht hatte sich die Batterie noch nicht sauber eingependelt.
Vielleicht war sie lange gelagert worden.
Vielleicht musste das BMS erst einmal vernünftig balancieren.
Vielleicht war Merkur rückläufig.
Man findet erstaunlich viele Erklärungen, wenn die Alternative lautet, eine gerade erst eingebaute Batterie wieder unter dem Sitz hervorzuwuchten.
Also habe ich mir die Erklärung ausgesucht, bei der ich erst einmal nichts ausbauen musste.
Sehr wissenschaftlich.
Am nächsten Morgen: als wäre nie etwas gewesen
Und tatsächlich.
Am nächsten Morgen sah plötzlich wieder alles perfekt aus.
Die Zellen lagen fast gleichauf.
SmartShunt und BMS waren sich beim Ladezustand auf einmal ebenfalls fast einig.
Keine Fehlermeldung.
Keine Abschaltung.
Kein Drama.
Als wäre nie etwas gewesen.
Technische Probleme haben da eine ganz besondere Begabung.
Sie verschwinden genau dann, wenn man sie jemandem zeigen möchte.
Oder wenn man gerade beschlossen hat:
Das Ding ist kaputt.
Dann stehen sie da, pfeifen unschuldig und sagen:
Ich?
Was soll denn mit mir sein?
Also weiter beobachten.
Beim Entladen lief die Batterie völlig unauffällig.
Router.
Raspberry Pi.
Home Assistant.
Der ganze Kram, der bei Carl ohnehin ständig mitläuft.
Und dabei zeigte sich sogar etwas ziemlich Beruhigendes:
180 Ah hätten für uns locker gereicht.
Grob gerechnet hätten wir damit ungefähr vier Tage autark stehen können.
Ohne große Hilfe von der Solaranlage.
Vier Tage.
Das ist mehr, als wir normalerweise brauchen.
Damit war eigentlich die wichtigste Frage beantwortet.
Die Größe passt.
180 Ah reichen.
Perfekt.
Also Problem gelöst.
Artikel Ende.
Ha.
Noch einmal laden
Natürlich wollte ich wissen, ob diese Abschaltung wirklich nur einmal passiert war.
Also bekam die Batterie noch eine Chance.
Noch einmal laden.
Noch einmal beobachten.
Und erst sah wieder alles gut aus.
Dann begannen die Zellen wieder auseinanderzulaufen.
Erst ein bisschen.
Dann mehr.
Dann noch mehr.
Und ich konnte praktisch dabei zusehen, wie sich das Ganze wieder in exakt dieselbe Richtung entwickelte.
Bis das BMS erneut sagte:
Nö.
Laden aus.
Da war dann auch meine Geduld irgendwann leerer als die Batterie laut SmartShunt.
Einmal kann Zufall sein.
Zweimal unter ähnlichen Bedingungen nennt man reproduzierbar.
Und „reproduzierbarer Fehler“ klingt schön professionell.
Bedeutet in meinem Fall aber hauptsächlich:
Scheiße.
Jetzt muss ich das Ding wirklich wieder ausbauen.
Und dann war da noch der Boden
Als wäre das nicht genug, war da noch etwas.
Der Boden der Batterie.
Der hatte mir schon vorher nicht besonders gut gefallen.
Ganz eben sah das Gehäuse unten nämlich nicht aus.
Keine riesige Beule.
Nichts, wo man sofort denkt:
Alle raus, das Ding explodiert gleich.
Aber eben auch nicht das, was ich bei einer nagelneuen Batterie sehen möchte.
Also Fotos gemacht.
Gerade Kante angelegt.
Noch mal geschaut.
Noch mal fotografiert.
Noch mal kontrolliert.

Und irgendwann musste ich mir eingestehen:
Nein.
Das bilde ich mir nicht ein.
Jetzt hatte ich also eine Batterie, deren BMS beim Vollladen wiederholt abschaltete.
Und ein Gehäuse, dessen Boden zumindest auffällig aussah.
Ob beides miteinander zusammenhing?
Keine Ahnung.
Und genau deshalb habe ich da auch nicht angefangen, den Batterie-Forensiker zu spielen.
Ich musste nicht herausfinden, warum.
Ich musste nur entscheiden, ob ich eine nagelneue Batterie behalten wollte, bei der ich nach ein paar Tagen schon Support-Unterlagen zusammenstellte wie andere Leute ihre Steuererklärung.
Antwort:
Nein.
Ganz klares Nein.
Also wieder raus mit dem Mist
Support angeschrieben.
Messwerte geschickt.
Fotos geschickt.
Fehler beschrieben.
Und irgendwann stand fest:
Die Batterie geht zurück.
Damit hatte ich innerhalb relativ kurzer Zeit erst zwei GEL-Batterien aussortiert und dann auch noch die neue Lithiumbatterie wieder ausgebaut.
Andere Menschen sammeln Briefmarken.
Ich offenbar Rücksendeetiketten für Batterien.
Immerhin hatte die Nummer auch etwas Gutes.
Ich wusste jetzt ziemlich genau, was wir brauchen.
Und vor allem wusste ich:
180 Ah reichen uns.
Locker.
Also war die Suche nach einer Ersatzbatterie eigentlich ziemlich einfach.
Man nimmt wieder 180 Ah.
Vielleicht 200 Ah.
Etwas, das gut unter den Sitz passt.
Vernünftige Größe.
Fertig.
Problem gelöst.
Also bestellte ich 330 Ah.
Haben ist besser als brauchen
Ja.
330 Ah.
Nicht 180.
Nicht 200.
330.
Warum?
Nun ja.
Wie heißt es so schön:
Haben ist besser als brauchen.
Mit 180 Ah hätten wir ungefähr vier Tage autark stehen können.
Mit 330 Ah reden wir grob über sieben bis acht Tage.
Und da hat die Solaranlage noch nicht einmal ernsthaft mitgeholfen.
Brauche ich sieben oder acht Tage?
Wahrscheinlich nicht.
Will ich wissen, dass es theoretisch geht?
Natürlich.
Andere Menschen kaufen das, was sie brauchen.
Ich hatte offenbar beschlossen, Carl von der Powerbank zum AKW umzubauen.
Nur ohne Kühlturm.
Der hätte unter dem Fahrersitz auch beschissen ausgesehen.
Natürlich passt das Ding nicht einfach so
Denn ganz so einfach konnte es selbstverständlich nicht werden.
Eine 330-Ah-Batterie ist nicht gerade das, was man als zierlich bezeichnen würde.
Und unter Carls Fahrersitz ist Platz ungefähr so großzügig vorhanden wie Beinfreiheit im Billigflieger.
Vor allem in der Höhe.
Die Batterie, die ich gefunden hatte, passte von den Abmessungen grundsätzlich ziemlich gut.
Nur nicht stehend.
Aufrecht wäre sie zu hoch.
Also blieb eigentlich nur:
hinlegen.
Jetzt kann man natürlich sagen:
Ist LiFePO4. Kann man doch machen.
Ja.
Kann man?
Ich hatte gerade erst eine nagelneue Batterie wieder zurückgeschickt.
Meine Lust auf
„Wird schon gehen“
war entsprechend irgendwo zwischen null und gar nicht vorhanden.
Also schrieb ich den Verkäufer an.
Ganz simpel.
Darf diese Batterie liegend eingebaut werden?
Und diesmal wollte ich keine Meinung.
Kein Forum.
Kein „macht jeder so“.
Kein „bei Lithium normalerweise kein Problem“.
Ich wollte es schriftlich.
Die Antwort kam.
Kurz.
Eindeutig.
„It can be installed flat.“
Na bitte.
Geht doch.
Also am 29. September:
Bestellung raus.
330 Ah.
Bluetooth.
200-A-BMS.
Und schriftlich bestätigt liegend einbaubar.
Was sollte jetzt noch schiefgehen?
Nein.
Vergesst die Frage.
Bei Carl ist dieser Satz ungefähr so klug wie im Horrorfilm zu sagen:
„Ich schau mal kurz nach, was dieses Geräusch im Keller war.“
Die neue Batterie ist jedenfalls bestellt.
Mit 180 Ah hätten wir schon problemlos mehrere Tage autark stehen können.
Jetzt werden es 330 Ah.
Haben ist eben besser als brauchen.
Oder anders gesagt:
Wir wollten eigentlich nur ein bisschen mehr Autarkie.
Jetzt bauen wir offenbar ein AKW unter den Fahrersitz.
Wenn alles gut geht, bekommt Carl damit endlich seine endgültige Batterie.
Wobei …
„Wenn alles gut geht“ haben wir hier inzwischen oft genug gesagt.
Fortsetzung folgt.